Autor: Merve Bayar

Sterben, um zu leben, leben, um zu sterben. Die vielen Leben der Schriftstellerin Tezer Özlü.

Tezer Özlüs schriftstellerisches Schaffen erlangte in der Türkei erst posthum Kultstatus. Heute wird sie als „melancholische Prinzessin“ oder „Prinzessin der türkischen Lyrik“ bezeichnet. Diese Spitznamen klingen schön wie auch befremdlich, denn ein märchenhaftes Leben führte sie sicherlich nicht. Ein Happy End gab es für Tezer nicht, verdient hätte sie es jedoch. Identitäten hatte sie viele, eine Prinzessin war sie jedoch nie. Sie war Grenzüberschreiterin, Gegnerin ideologischen Denkens, rastlose Seele, Melancholikerin, Kind, Ehefrau und Mutter, Schriftstellerin – die Liste ist endlos. Sie schreckte nicht davor zurück, in ihrer literarischen Arbeit ihr Innerstes auszugraben, es zu durchforschen und zu reflektieren. Dieses...

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Sabahattin Ali – Der türkische Gorki

Nazim Hikmet nannte ihn den einzigen wirklichen Avantgardisten der türkischen Literatur –Zekeriya Sertel, ein bedeutender Name in der Geschichte der türkischen Presse, bezeichnete ihn als Maxim Gorki der Türkei. Sabahattin Ali, ein Geschichtenerzähler und feinfühliger Humanist mit einer bahnbrechenden Beobachtungsgabe, teilte mit vielen Intellektuellen seiner Zeit dasselbe Schicksal: verfolgt, gebrandmarkt, verfemt. Heute gehört er zu den beliebtesten und inspirierendsten Namen in der türkischen Literaturszene.  Meine Affinität und Faszination für türkische Literatur begann mit einer zufälligen Begegnung zwischen den staubigen Regalen der Landesbibliothek meines damaligen Wohnortes. Der unverblümte Titel sprach mich auf Anhieb an: Der Dämon in uns. Von Sabahattin Ali....

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„Wäre ich doch ein Fisch in einer Flasche Schnaps!“ – ein ‚eigenartiger‘ Orhan Veli

Er war der vielleicht innovativste Lyriker der Türkei: Orhan Veli. Und auch der eigenartigste. In seinem ersten Lebensjahr fürchtete er sich vor Fröschen. Mit zwei Jahren zog er in die gurbet (Fremde). Mit sieben kam er in die Schule, entdeckte seine Leidenschaft fürs Lesen und Schreiben. Seine erste Bekanntschaft mit Rakı machte er mit 18 Jahren. Spinat liebte er. Materielle Dinge waren für ihn ohne Belang. Essenziell hingegen waren der blaue Himmel, das Meer, der Schnaps. Seinen Durst und seine Einsamkeit löschte er mit Liebe und Leidenschaft, aber vor allem mit Literatur. Sein Äußeres beschrieb er als „formlos“. Heftig verliebt war er auch, doch geheiratet hat er nie. Und wie gerne wäre er ein Fisch in einer Flasche Schnaps gewesen.

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Mehr Feminismus!

Im Alter von sechs Jahren wurde ich das erste Mal als Feministin bezeichnet. Eigenartig ist es ein Kind mit einem so exorbitanten, bedeutungsschwangeren Wort zu konfrontieren. Ich wusste natürlich nicht genau, was das Wort Feministin bedeutete. Aber ich wusste, dass es nicht als Kompliment gemeint war.

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