Ministerinnen-Kolumne Renk Renk, Ausgabe September 2020

Liebe Leserinnen und Leser von Renk Renk,

vor einigen Monaten habe ich Sie an dieser Stelle auf unser virtuelles Online-Migrationsmuseum „Lebenswege“ aufmerksam gemacht. Seit nun bereits über zehn Jahren veranschaulicht es auf spannende und vielseitige Weise die Bedeutung von Migration für unsere Gemeinschaft und die Migrationsgeschichte unseres Landes. 

Nun ist eine neue Sonderausstellung in unserem Internetmuseum gestartet. Sie trägt den Titel „Demokratie – neu gedacht“ und geht der Frage nach, wie Migration unsere Demokratie bereichern kann. Dabei kommen junge Migrantinnen und Migranten zu Wort, die sich politisch engagieren. In Videos erzählen sie von ganz unterschiedlichen Motivationen und Hintergründen, politisch aktiv zu werden und unsere Demokratie zu stärken.

So berichtet die junge Politikwissenschaftlerin und Soziologin Ebru Seker, dass sie es als in Deutschland Geborene als ihr Recht betrachtet, an ihrer Gesellschaft mitzuwirken und sich für die Interessen von Migrantinnen und Migranten einzusetzen. Helin Tosun, ebenfalls hier geboren und aufgewachsen, spricht davon, welcher Gewinn die freiheitliche Demokratie und die Entfaltungsmöglichkeiten für sie und ihre Familie darstellen. Genau diese liberale Grundordnung war für sie Motivation dazu, sich politisch zu engagieren und damit die Gesellschaft aktiv zu gestalten, um unsere Demokratie mit ihren Werten und Rechten auch zu erhalten.

Viele derjenigen, die zu Wort kommen, sind in den Beiräten für Migration und Integration aktiv, die in unseren Kommunen Menschen mit Migrationshintergrund in die Gestaltung der Integrationspolitik einbinden. Ich danke allen in unserem Land, die sich für diese Arbeit einsetzen und damit einen ganz wichtigen Teil zu unserem pluralistischen Miteinander beisteuern.

Die Partizipation der Menschen mit Migrationshintergrund ist in Deutschland leider noch auf einem zu niedrigen Niveau. Mehr als 20 Millionen Frauen und Männer in Deutschland haben einen Migrationshintergrund. Allein über 10 Millionen Menschen in Deutschland sind jedoch aufgrund ihrer Passzugehörigkeit von den Landtags- und Bundestagswahlen ausgeschlossen. Hier gilt es, nachzubessern. Ich bin etwa der Meinung, dass wir auf kommunaler Ebene ein Wahlrecht für Drittstaatsangehörige brauchen – also für Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft aus Nicht-EU-Ländern. Auch die Einführung der doppelten Staatsbürgerschaft würde unserer Demokratie guttun. Denn immer mehr junge Menschen haben einen Migrationshintergrund. Und unsere Demokratie braucht gerade die Stimme der jungen Generation. Auch darum plädiere ich nach wie vor für ein Wahlalter ab 16 Jahren.

Die neue Sonderausstellung „Demokratie – neu gedacht“ liefert zudem Informationen dazu, wie sich unsere Demokratie entwickelt hat. In den Kurzportraits, Statements und Videos zeigen junge Menschen aber vor allem eines: was ihnen unsere Demokratie bedeutet und warum es für sie eine große Motivation gibt, sich an unserer Demokratie zu beteiligen. 

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie unserem Online-Museum einen Besuch abstatten und sich die neue Sonderausstellung „Demokratie – neu gedacht“ anschauen würden. 

„Lebenswege – das Migrationsmuseum Rheinland-Pfalz im Internet“ finden Sie unter: www.lebenswege.rlp.de