Wenn wir heute in die europäischen Ligen quer über den Kontinent schauen, finden wir eigentlich überall brasilianische Spieler mit ihren wohlklingenden Spitznamen. Die bekanntesten unter ihnen sind Spitzensportler wie der legendäre Pele und Ronaldinho vor einiger Zeit beim FC Barcelona oder heute 222 Millionen-Euro-Mann Neymar und Phillipe Coutinho vom FC Liverpool. Der Unterschied zwischen den Beiden letztgenannten und Ronaldinho ist der, dass Ronaldinho eine Verniedlichung seines Vornamens zum Markennamen machte während Neymar und Coutinho mit ihren wirklichen Nachnamen bekannt geworden sind. Traditionell waren es zumeist farbige, dunkelhäutige Spieler, die sich für Künstlernamen entschieden. Der Grund dafür ist einer zutiefst rassistischen und sehr ernsten Tatsache geschuldet. In der Zeit bis nach dem zweiten Weltkrieg war der Vereinsfußball in der brasilianischen Gesellschaft fast ausschließlich ein Privileg der reichen, weißen Minderheit. Die herrschende Militärdiktatur praktizierte eine Art Apardheidspolitik der Rassentrennung ähnlich der in den Südstaaten der USA oder in Südafrika. Schwarze kickten zwar in den Favelas, den Hüttendörfern rund um die großen Städte Rio de Janeiro, Sao Paulo oder Porto Allegre oder an den Stränden und auf dem Land, aber eigentlich nie in Vereinen und schon gar nicht in der obersten Liga.
Ihre technischen Qualitäten waren aber derartig augenscheinlich, dass kleinere Vereine begannen diese Spieler einzusetzen. Dieser Umstand war den großen Clubs jedoch ein
Dorn im Auge und so wurde auf deren Anregung die Regelung erlassen, dass jeder Spieler seinen Namen auf den Spielberichtsbogen zu unterschreiben habe. Für die meisten aus ärmlichen Verhältnissen stammenden farbigen Kicker sollte dies eine nur schwer überwindbare Hürde sein. In der Folge begannen diese Kicker also sich kurze Spitznamen wie Zeze, Vava, Dida oder Pele zuzulegen. In den fünziger Jahren hatten sich diese farbigen Spieler fast flächendeckend durchgesetzt, lediglich Traditionsclub Fluminense Rio de Janeiro wehrte sich noch bis in die sechziger Jahre schwarze Spieler unter Vertrag zu nehmen. Als man aber auf Dauer den Anschluss an die übrigen Teams zu verlieren drohte, setzte man aber auch dort dunkelhäutige Spieler ein. Um den Schein zu wahren, mussten diese Spieler sich jedoch mit Mehl einpudern, um in dem weitläufigen Rund des heimischen Maracana-Stadions hellhäutig zu wirken. In Brasilien nennt man die Spieler und Anhänger von Fluminense deshalb noch heute „Las Farinas“, was so viel bedeutet wie „die Mehligen“. Später weichte die Tradition der Spitznamen auf und wurde Modeerscheinung. In den Achtzigern und Neunzigern waren historische Persönlichkeiten der letzte Schrei. Namen wie Lincoln, Bismarck, Vagner und Socrates hatten Konjunktur genauso wie heute Namen im Diminutiv wie beispielsweise Ronaldinho oder Marcelinho, was übersetzt Kleiner Marcel oder einfacher Marcelchen bedeutet, ebenso wie kleiner Ronaldo, was den Unterschied zum großen Ronaldo verdeutlichen sollte.
Nur selten noch vereinfachen brasilianische Spieler in der Tradition ihrer Vorbilder, der letzte Weltstar war wohl Zico in den 1980ern.

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