Entsprechend der Schulmedizin ist der Begriff Traumatologie (griech. „die Wundenkunde“) die Wissenschaft von den Verletzungen und Wunden sowie deren Entstehung und auch deren Therapie. Die stärke der schulmedizinischen Traumatologie ist das Management von akuten und lebensbetrohlichen strukturellen Verletzungen. Osteopathie macht dieses Gebiet den Schulmedizinern keineswegs streitig – im Gegenteil: Meistens genau dort, wo der Schulmediziner mit bildgebenden Diagnostikmethoden keine oder nur geringe strukturelle Veränderungen im Körper des Patienten findet, kann Osteopathie ins Spiel kommen. Ihre Stärke liegt in der manuellen Lokalisation ,,Klassifikation und Behandlung funktioneller Störungen, sogenannte osteopathische Dysfunktionen (Fehlfunktionen). Sie liegt in ihrer eigenen Natur, sie entwickelt sich mit der Erfahrung des Osteopathen – sie ist also eine „Menschen – basierte Medizin“. Dies mag einer der Gründe sein, weshalb Osteopathie teilweise als „Osteo-Magie“ betrachtet wird: Viele osteopathische Techniken und Prinzipien sind von solch subtiler Art, das ein aussenstehender Betrachter die Behandlung als „Handauflegen“ klassifizieren möchte. Aber genau diese über Jahre hinweg antrainierte, subtile und präzise Berührungsart der osteopathischen Diagnostik und Behandlung macht die Osteopathie aus. Die behandelnde Hand versucht den perfekten Paarungsabgleich mit dem zu behandelnden Gewebe zu finden. Mehr Kraftanwendung ist oft nicht besser, im Gegenteil, meistens gilt: Weniger ist mehr.

Eine Antwort an Skeptiker dieser oft so sanft aussehenden Therapiemethode könnte sein: „Nur, weil Du nicht genau weißt, wie ein Helikopter fliegen kann, heißt das noch lange nicht, das hier Magie im Spiel ist.“ Der wahre Zauber der Osteopathie liegt nicht in den Techniken, es ist der Geist, der dahinter steckt. Wie Johann Wolfgang von Goethe schon sagte: „Es ist der Geist, der jede Technik lebendig macht.“ Als Osteopath versuche ich jeden Tag die Lebendigkeit im Körper meiner Patienten zu verstehen, indem ich versuche, mit meiner diagnostischen und therapeutischen Berührung einen Dialog mit deren Gewebe zu führen, ähnlich wie der Maler den Pinsel führt. Das schöne an der Osteopathie ist, das jeder Lernprozess niemals aufhört. Jeder Patient lehrt mich erneut, neue Wege zu finden, um Gesundheit wieder herzustellen.

 

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