Das geometrische Roberto-Carlos-Gedächtniskunstwerk von Benjamin Pavard, die Paraden des englischen Torwarts Pickford (besonders erwähnenswert aufgrund seines Geburtslandes), Mexikos horizontales Trainingslager, die Weste von Gentlemantrainer Gareth Southgate, der erste englische Sieg im Elfmeterschießen der WM-Geschichte, die Sprechgesänge der fröhlichen britischen Fans („don‘t look back in anger“), die Fastinitialzündung von Toni Kroos gegen Schweden, die (ungeahndete) Wrestlingeinlage des brasilianischen Tag-Teams gegen den serbischen Felsen Mitrovic, die instagramsprengenden, isländischen Wikinger, Perus Flügelzange, starke Iraner, das Spanien-Portugalspiel, die spektakuläre Aufholjagd der Belgier gegen Japan mit dem Bilderbuchkontertor des Jahres in der allerletzten Sekunde, Rebics Wahnsinnstat gegen Argentinien, der Kampfeswille der nimmermüden Kroaten (17 Km Laufleistung von Brozovic in 120 Minuten gegen England!), Falcaos langersehntes WM-Tor, die Erleichterung darüber, dass Neymar überlebt hat und Jogi seine Finger weder in seiner Nase noch in seiner Hose kreisen ließ, Egodompteur Deschamps, Modric statt Ronaldo oder Messi, Mbappes Raketenendstufe, die Herzlichkeit der Gastgeber … all das waren tolle Momente, aber der Höhepunkt der WM 2018 fand bereits in der Vorrunde statt. Am 24.06.2018, um 15.34 Ortszeit, segelt in Nischnii Nowgorod ein Freistoß in den Strafraum, der bis zu diesem Zeitpunkt sehr aufmerksamen, englischen Hintermannschaft. Einen Moment des Zögerns nutzt Felipe Baloy, um seinen hartnäckigen Widersachern zu entwischen und den Ball in unwiderstehlicher Manier per Volleyabnahme aus 14 Metern zum vielumjubelten Anschlusstreffer einzunetzen. Hmmh, wie bitte? Vielumjubelter Anschlusstreffer? Beim Stand von 0:6? Oh jaaaa, denn es war Panamas Premierentreffer auf der Weltbühne des Fußballs und vielumjubelt ist eher untertrieben! Mit seinem Treffer löste Nationalheld Baloy derart ekstatische Freudentänze in seiner näheren Umgebung sowie in seinem viele Kilometer entfernten Heimatland aus, dass ich mir ein Video der Feierlichkeiten für die kalte Jahreszeit aufbewahre, um damit bei Minustemperaturen und einem frostigen Kick meiner Clubberer mein Herz wieder auftauen zu können! Als ich das glückliche, herzliche und ansteckende Lachen von Trainer Hernan Gomez nach jenem geschichtsträchtigen Treffer sah, habe ich mir geschworen, für den Rest meiner Tage auch die kleinen Momente des Lebens zu schätzen und selbst in Niederlagen etwas Positives zu sehen! Immerhin hielt der Vorsatz bis zur Nachspielzeit des Südkoreaspieles drei Tage später…

 

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