Seit Anfang Januar laufen bundesweit Warnstreiks. Jeden Tag legen mehrere zehntausend Beschäftigte ihre Arbeit für einige Stunden nieder und ziehen vor das Werkstor. Es geht um die Metall- und Elektroindustrie. Die für diesen Bereich zuständige Gewerkschaft, die IG Metall, kämpft für ihre Forderungen für den neuen Tarifvertrag. Im Jahr 2018 werden neue Tarifverträge für knapp 10 Millionen Beschäftigte verhandelt. Neben der Metall- und Elektroindustrie (3.499.200 Beschäftigte) stehen unter anderem auch Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst, im Bauhauptgewerbe (699.000) und in der Chemischen Industrie (530.000) an.

Tarifvertrag
Ein Tarifvertrag ist ein Vertrag, der zwischen den beiden Tarifpartnern vereinbart wird: Gewerkschaft für die Arbeitnehmer auf der einen Seite – Arbeitgeber auf der anderen Seite. Tarifverträge regeln unter anderem Bezahlung, Arbeitszeit, Urlaubsdauer und Sonderzahlungen. Die Vereinbarungen sind für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer besser als die gesetzlichen Regelungen. So stehen im Gesetz 4 Wochen Urlaub, im Tarifvertrag im Bereich Metall/Elektro 6 Wochen. Anspruch auf den Tarifvertrag haben nur die Gewerkschaftsmitglieder.

Tarifverträge sind im Grundgesetz geschützt. Die Tarifautonomie berechtigt die Tarifpartner, Tarifverträge in eigener Verantwortung abzuschließen.
Wenn die Laufzeit eines Tarifvertrags zu Ende ist, beginnen die Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeberverband, um einen neuen Tarifvertrag abzuschließen.
Meistens wird also nach 2 Jahren neu verhandelt.

Streik
Die Niederlegung ihrer Arbeitskraft ist das stärkste Mittel der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, um ihre Forderungen durchzusetzen. Durch ihren aktiven Protest erhöht die Belegschaft den Druck auf die Arbeitgeber in den Tarifverhandlungen.
Außerdem kann auch gestreikt werden, um überhaupt erstmals in einem Betrieb den Arbeitgeber zu Verhandlungen zu zwingen. So können Beschäftigte, für die es bis jetzt noch kein Tarifvertrag gilt, sich einen Tarifvertrag erkämpfen – und damit bessere Arbeitsbedingungen: höhere Bezahlung, mehr Urlaub, …
Durch Streiks wurden in der Vergangenheit viele Errungenschaften erkämpft, die wir heute als selberverständlich kennen. Urlaub wurde früher nicht bezahlt: in langen Streiks wurde bezahlter Urlaub durchgesetzt und ist irgendwann auch zum Gesetz geworden. Auch Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gab es früher nicht und musste erst durch heftige Streiks erkämpft werden. Beides kennen wir heute als selbstverständlich, ist es aber nicht.

Die wichtigsten Forderungen der IG Metall in der aktuellen Tarifrunde:

  • sechs Prozent mehr Lohn
  • die Möglichkeit, für eine bestimmte Zeit weniger zu arbeiten, um Kinder erziehen oder Verwandte pflegen zu können – gefordert wird eine Arbeitszeit von 28 Stunden, die Arbeitgeber sollen sich finanziell daran beteiligen
  • für Auszubildende: vor Prüfungen einen Tag frei, um sich gut vorbereiten zu können.

Organisation
Im Dachverband DGB (Deutscher Gewerkschaftsbund) sind acht Mitgliedsgewerkschaften miteinander verbunden, die alle Bereiche der Arbeitswelt abdecken: IG Metall (Metall- und Elektroindustrie), ver.di (Dienstleistungsbereich), IG BCE (Bergbau, Chemie, Energie), IG BAU (Bauen, Agrar, Umwelt), GEW (Erziehung und Wissenschaft), GdP (Polizei, Zoll), NGG (Nahrung, Genuss, Gaststätten) und EVG (Bahn, Verkehr).
Auf internationaler Ebene arbeitet der DGB im Europäischen Gewerkschaftsbund und im Internationalen Gewerkschaftsbund mit.

Weiterführende Links
http://koblenz.dgb.de
www.facebook.com/DGB.Region.Koblenz
www.gewerkschaftsgeschichte.de
www.tarifvertrag.de

 

Auswahl an Errungenschaften,
die die Gewerkschaften
erkämpft haben:

1848
In Berlin streiken zum ersten Mal die DruckerInnen und die SetzerInnen für einen Tarifvertrags

1951
Montan-Mitbestimmungsgesetz
für Kohle- und Stahlunternehmen: im Aufsichtsrat von großen Unternehmen sitzen seitdem auch VertreterInnen der Beschäftigten

1954
Erstmals werden tariflich geregelte Sonderzahlungen (Weihnachtsgeld) für den öffentlichen Dienst durchgesetzt

1956
Mehr als 34.000 Beschäftigte der
Metallindustrie streiken 114 Tage lang für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. 1969 wird diese gesetzlich
verpflichtend.

1959
Die 5-Tage-Woche wird im Bergbau eingeführt, später auch bei Banken und Versicherungen

1969
Arbeitgeber sind gesetzlich zur Zahlung einer Ausbildungsvergütung verpflichtet

1994
Gesetzlich stehen allen ArbeiterInnen
4 Wochen Urlaub zu

2011
Für Azubis in der Metall- und Elektroindustrie wird die unbefristete Übernahme nach der Ausbildung im Tarifve00rtrag geregelt

2015
Der gesetzliche Mindestlohn wird eingeführt (aktuell 8,84 Euro)

 

 

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