Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) haben am 7. September in Berlin eine repräsentative Beschäftigtenbefragung zu den Arbeitsbedingungen in der Alten- und Krankenpflege vorgestellt.
Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass dort die Arbeitsbedingungen weitaus stärker von Zeitdruck und überbordender Arbeitsmenge geprägt sind als im Durchschnitt aller Berufsgruppen.

So liegt der Anteil der Krankenpflegerinnen und -pfleger, die sich bei der Arbeit oft gehetzt fühlen bei 80 Prozent (Altenpflege: 69%; alle Berufsgruppen: 55%).
Der Anteil der Beschäftigten in der Krankenpflege, die „häufig Abstriche bei der Qualität ihrer Arbeit machen,
um die Arbeitsmenge bewältigen zu können“, liegt bei 49 Prozent (Altenpflege: 42%; alle Berufsgruppen: 22%).
Dass sich unter diesen Bedingungen nur rund ein Fünftel der Beschäftigten vorstellen kann, bis zur Rente so zu arbeiten,
liegt auf der Hand – Krankenpflege: 23 Prozent, Altenpflege: 20 Prozent, alle Berufsgruppen: 48 Prozent.

Sylvia Bühler, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand: „Statt den Beschäftigten in der Altenpflege und in den Krankenhäusern den roten Teppich auszurollen, verschleißen die Arbeitgeber deren Gesundheit.
Der Gesetzgeber muss Vorgaben für die Personalausstattung machen, die eine gute und sichere Versorgung gewährleisten.
Die von Bundesgesundheitsminister Spahn vorgelegten Personaluntergrenzen im Krankenhaus legitimieren den Pflegenotstand, statt ihn zu beheben.“

Annelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied: „Wir werden in Zukunft noch viel mehr Fachkräfte brauchen,
die dazu bereit sind, in der Pflege zu arbeiten. Deshalb müssen die Bedingungen schnell und umfassend verbessert werden. Professionelle und hoch motivierte Beschäftigte dürfen nicht länger unter solchen Arbeitsdruck gesetzt werden.
Das treibt sie in die Selbstausbeutung und schreckt Berufseinsteiger ab.“

 

Regelung zu Pflegepersonaluntergrenzen in Krankenhäusern nicht ausreichend

Zum vom Bundesgesundheitsminister vorgelegten Verordnungsentwurf, mit dem die Pflegepersonaluntergrenzen in Krankenhäusern festgelegt werden sollen, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach:

„Das reicht bei weitem nicht. Nach dieser Verordnung sollen die Untergrenzen lediglich dort gelten,
wo die Belastung des Personals am größten ist. Damit blieben 75 Prozent aller Krankenhäuser von der Regelung unberührt, obwohl in nahezu allen Bereichen mehr Personal gebraucht wird.
Die hohen Arbeitsbelastungen des Pflegepersonals, die zu gefährlichen Pflegefehlern führen können,
werden damit zementiert anstatt dauerhaft verbessert, wie es dringend nötig wäre.

Außerdem sollen die Pflegepersonaluntergrenzen lediglich für die pflegesensitiven Bereiche der Intensivmedizin, Geriatrie, Unfallchirurgie und Kardiologie gelten, obwohl der Koalitionsvertrag Regelungen für alle bettenführenden Abteilungen vorsieht. Bezeichnend ist, dass die Einhaltung der geplanten Pflegepersonaluntergrenzen nur als Durchschnittswert monatsbezogen ermittelt werden – was dem einzelnen Patienten wenig helfen dürfte.
All das reicht bei Weitem nicht aus, um die Krankenhausversorgung nachhaltig zu verbessern.
Dringend nötig wären konkrete Vorgaben zum Personalschlüssel, die die Relation von Pflegekraft pro Patient pro Schicht enthalten – auch um endlich internationale Vergleichbarkeit herzustellen.
Grundlage dafür muss ein pflegefachlich anerkanntes Instrument zur Ermittlung des individuellen Pflegebedarfs der Patienten sein, welches der DGB seit langem fordert.“

Branchen-Mindestlohn

Neben dem gesetzlichen Mindestlohn gibt es etliche Branchen-Mindestlöhne. Diese werden von Gewerkschaften und Arbeitgebern in einem Tarifvertrag ausgehandelt und von der Politik für allgemein verbindlich erklärt.
Ab 1. Januar 2019 steigt der Mindestlohn für die Beschäftigten u. a. in der Pflegebranche:

​​Für die etwa 800.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gelten seit Januar 2018 Mindestlöhne von 10,55 Euro in Westdeutschland (inkl. Berlin) und 10,05 Euro in den neuen Bundesländern. Sie steigen im Januar 2019 auf 11,05 Euro (West inkl. Berlin) beziehungsweise 10,55 Euro (Ost).

 

http://www.dgb.de