Am 24. August 1992 kam es in Koblenz zu einem traurigen Höhepunkt rechter Gewalt: Mit den Worten „Jetzt knall ich euch alle ab“ wurde am Zentralplatz mit einem Revolver auf eine Gruppe Menschen geschossen. Frank Bönisch wurde von den Kugeln tödlich getroffen, weitere Menschen wurden verletzt. Einen Tag vorher hatte der Täter die Tat in einer Kneipe angekündigt. Er nahm die Ereignisse in Rostock zum Anlass, jetzt auch in Koblenz loszuschlagen. Seine Ankündigung wurde jedoch nicht ernst genommen.
Die Betroffenen waren Menschen, die sich 1992 am Zentralplatz aufhielten: Wohnungslose, Punks, Alternative und Junkies. Für den Täter hatten diese Menschen kein Lebensrecht. Das Gericht stellte später im Prozess fest, dass der Täter „aus Hass auf Obdachlose/Sozial Randständige“ gehandelt habe. Genau diese Gruppen von Menschen werden und wurden in dieser Gesellschaft diskriminiert und ausgegrenzt.

Der Täter kam aus dem Umfeld der damaligen Koblenzer Nazi-Organisation „Deutsche Front Coblenz“ (DFC) und hatte den Szenenamen „Deutscher Andy“. Die DFC war wegen brutaler Übergriffe überregional bekannt.

Der Zeitpunkt der Tat ist dabei kein Zufall: 1992 war der traurige Höhepunkt der nationalistischen Aufbruchstimmung nach der „Wende“ und der Täter hielt die Zeit für reif, um auch in Koblenz loszuschlagen. Vom 22. bis 26. August 1992 fanden in Rostock Pogrome statt, die weltweit Schlagzeilen machten, als ein rassistischer Mob mit Unterstützung von AnwohnerInnen ein Wohnheim für AslybewerberInnen über mehrere Tage hinweg angriff.

Der Täter wurde wegen Mord und siebenfachem Mordversuch zu 15 Jahren Haft verurteilt. Für die Überlebenden hatte der Vorfall teilweise schwerwiegende Folgen.

Gedenkplatte zur Erinnerung und Mahnung

Die Initiative hat sich erfolgreich dafür eingesetzt, dass im Jahr 2013 am Zentralplatz eine Gedenkplatte in den Boden eingelassen wurde, die darauf hinweist, dass an dieser Stelle im August 1992 durch rechte Gewalt ein Mensch ums Leben kam und weitere angeschossen wurden. Die Inschrift der Gedenkplatte lautet: „Hier ermordete am 24.08.1992 ein rechtsradikaler Täter den Obdachlosen Frank Bönisch und verletzte mehrere Menschen. Zur Erinnerung und Mahnung“.

 

Rund um den Jahrestag der Ermordung an Frank Bönisch bietet die Initiative Kein Vergessen Koblenz Veranstaltungen an, die sich gegen rechte Gewalt wenden. Die folgenden Veranstaltungen stehen für August und September fest. Weitere Veranstaltungen sind in Vorbereitung. Auch am 24.08, dem Todestag von Frank, soll es eine Veranstaltung am Zentralplatz geben.

Für aktuelle Infos:

http://initiativekeinvergessen.blogsport.de/

https://www.facebook.com/InitiativeKeinVergessenKoblenz/

http://koblenz.dgb.de

 

 

„Die AfD und die soziale Frage – Zwischen Marktradikalismus und ›völkischem Antikapitalismus‹“ – Vortrag und Diskussion mit Stefan Dietl

am Donnerstag, 16. August 2018, 19:30 Uhr

im Circus Maximus, Stegemannstraße 30, 56068 Koblenz

Die besorgniserregenden Wahlerfolge und die zunehmende Verankerung der AfD in der deutschen Parteienlandschaft führen unter ihren Gegner*innen zu kontroversen Debatten darüber, wie der Rechtspartei zu begegnen sei. Während einige darauf setzen, die AfD als unsozial zu brandmarken und über ihre neoliberale Programmatik aufzuklären, verweisen andere auf die teils antikapitalistische Rhetorik führender Parteifunktionäre und warnen vor der gefährlichen Kombination aus rassistischer Hetze und sozialer Demagogie.

Um zu klären, welche Rolle die soziale Frage in der AfD tatsächlich spielt, untersucht Stefan Dietl die sozialpolitische Ausrichtung der Partei. Dabei zeigen sich sowohl die marktradikalen Positionen der AfD als auch ihre im »völkischen Antikapitalismus« verwurzelten Inhalte.

Der Autor: Stefan Dietl ist seit seiner Ausbildung aktives Mitglied der Gewerkschaft ver.di. Er schreibt regelmäßig zu sozial- und wirtschaftspolitischen Themen, u.a. für die Wochenzeitung Jungle World.

 

„Die extreme Rechte & Neonazismus in Rheinland-Pfalz: Zwischen Kontinuität und Wandel.“ – Vortrag mit dem Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus in Rheinland-Pfalz

am Donnerstag, 23. August 2018, 19:30 Uhr

im Circus Maximus, Stegemannstraße 30, 56068 Koblenz

Neben einem geschichtlichen Überblick über die extreme Rechte in Deutschland und insbesondere in Rheinland-Pfalz, will der Vortrag der Frage nachgehen, welche der alten Strukturen noch übrig sind und welche Akteure wo und unter welchem Label weiterhin versuchen in Erscheinung zu treten. Ebenfalls stellt sich die Frage inwieweit „neue“ und „alte“ Rechte auch im Südwesten der Bundesrepublik zusammenfinden.

 

„Werde Stammtischkämpfer*in gegen Rassismus!“

am Donnerstag, 27. September 2018, 18 Uhr

in der Jugendbegegnungsstätte im Haus Metternich, Münzplatz 7, 56068 Koblenz

Bei Diskussionen mit Arbeitskolleg*innen, Gesprächen mit Verwandten oder auch beim Grillen mit Verwandten – manchmal fallen Sprüche, die uns die Sprache verschlagen. Später ärgern sich viele: Hätte ich bloß was gesagt, hätte ich es anders gesagt, wieso habe ich nicht daran gedacht? Wir alle kennen das, wenn wir mit rassistischen und diskriminierenden Sprüchen und Parolen konfrontiert sind.

Hier wollen wir ansetzen und Menschen in die Lage versetzen, die Schrecksekunde zu überwinden, Position zu beziehen und deutlich zu machen: Das nehmen wir nicht länger hin!

Dabei ist klar: Der Stammtisch ist überall: An der Kasse des Supermarktes, auf dem Spielplatz, in der Bahn oder in der Studi-Lerngruppe. Aber: Wir sind auch überall und wir können durch Widerspruch, deutliches Positionieren und engagierte Diskussionen ein Zeichen setzen, die Stimmung in unserem Umfeld beeinflussen und unentschlossenen Menschen ein Beispiel geben.

Dazu wollen wir uns in Trainings mit Strategien beschäftigen, die uns ermöglichen, den rassistischen Sprüchen Paroli zu bieten. Wir wollen gängige rechte Positionen untersuchen und wir wollen gemeinsam üben, das Wort zu ergreifen, um für solidarische Alternativen zu streiten.

Der Workshop findet im Haus Metternich statt. Im Rahmen des dortigen Thekenabends können wir menschenverachtende Parolen auseinandernehmen und ein Einmischen üben.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Initiative Kein Vergessen Koblenz und der Interkulturellen Wochen statt. Veranstalter*innen sind: Jugendbegegnungsstätte im Haus Metternich, die Falken Koblenz und der DGB Koblenz.

Die Teilnehmeranzahl ist beschränkt. Bitte meldet euch bei Interesse in der Jugendbegegnungsstätte im Haus Metternich, Telefon: 0261 – 2016888, Email: info@haus-metternich.de

 

Links:

http://initiativekeinvergessen.blogsport.de/

https://www.facebook.com/InitiativeKeinVergessenKoblenz/

http://koblenz.dgb.de

 

Bildquelle: privat