Wenn am Elften im Elften die Närinnen und Narren aus ihren Häusern und Wohnungen kommen, dann steht die 5. Jahreszeit vor der Tür. Bei uns im Rheinland gehört diese Zeit sicherlich, wenn man sie denn mag, zu den schönsten Jahreszeiten. Hier trifft sich JUNG und ALT unter der Narrenkappe, hier vereinen sich REICH und ARM, hier stehen alle beieinander, egal welcher Herkunft sie sind. Der Karneval ist offen für jeden und dies zeigt er auch immer wieder gerne. Unter den Feiernden sind nicht nur die „Ureinwohner“ des Rheinlandes, sondern auch viele Gäste zu finden, darunter auch viele, die aus fernen Ländern zu uns gekommen sind. Der Karneval ist ihnen sicherlich fremd, aber sie feiern gerne und sehen, dass Menschen sich finden, um friedlich beieinander zu sein. Diese Tatsache ist nicht hoch genug einzuschätzen.

Auch wenn einige Menschen die fünfte Jahreszeit ausschließlich mit Alkohol und negativen Schlagzeilen verbinden, so muss gesagt werden, dass dies nicht richtig ist.
Die Vereine, die Gruppierungen und so viele mehr, die sich in der fünften Jahreszeit engagieren, arbeiten das ganze Jahr dafür, dass die närrische Zeit erfolgreich wird. Sie betreuen das ganze Jahr über Kinder, Jugendliche bis hin zu den Seniorinnen und Senioren in den verschiedensten Gruppen des Vereins. Tänze werden geprobt, die Rednerinnen und Redner werden geschult, die Sängerinnen und Sänger und die Musikgruppen bereiten sich vor, die Wagenbauer treffen sich und sorgen für tolle Fahrzeuge an Rosenmontag, die Fußgruppen basteln, die Vorbereitungen für Bühnen und Saaldekorationen werden durchgeführt und so viel mehr.

Zwischendurch trifft man sich in gemütlicher Runde, um gesellig zusammen zu sein. Hier treffen sich Generationen – hier treffen sich Oma und Enkel, Eltern und Kinder und viele Freunde. Viele Vereine – und nicht nur die im Karneval – sind Heimat für Menschen. Sie sind Anlaufpunkt und Treffpunkt. Die Vereine sind oftmals die Anker in ihrem Leben.

Und im Hintergrund?

Hier im Hintergrund sind viele Ehrenamtliche aktiv. Sie steuern nicht nur die Veranstaltungen und organisieren die verschiedenen Events, nein, sie sind auch für den alltäglichen Ablauf im Verein zuständig. Sie kümmern sich um die Mitgliederlisten, um die Finanzen, um die Post, um Anschreiben, um Genehmigungen. Wenn ich hier alles aufzählen müsste, dann würden die Seiten des Magazins nicht ausreichen.
Was vor einigen Jahren noch recht einfach zu lösen war, das wird heute immer komplizierter. Vor Jahren erhielt man auf Anfrage zu einer Veranstaltung eine Ausschankgenehmigung und damit war die Veranstaltung ebenfalls genehmigt. Vor Jahren war Brauchtum nicht in dem steuerlichen Fokus, in dem es heute ist. Vor Jahren konnte man sich engagieren, ohne – wie heißt es schön – mit einem Fuß im Gefängnis zu stehen.
Heute gibt es Genehmigungsverfahren, die mehr als aufwendig sind. Die Versammlungsstätten-Verordnung macht den Organisatoren das Leben schwer. Hinzu kommt die steuerliche Seite. Ist die Veranstaltung überhaupt eine Brauchtumsveranstaltung oder eher eine Tanz- bzw. Partyveranstaltung? Überwiegt die Musik oder eher das klassische Brauchtum? Ist die Veranstaltung mit 19% Umsatzsteuer oder mit dem verminderten Satz von 7 % abzurechnen?

Bei diesen Fragen stoßen viele Ehrenamtler an ihre Grenzen und das ist verständlich. Viele scheuen sich vor den Aufgaben und vor allem vor den Konsequenzen, die das Amt mit sich bringen kann. Unter Umständen kann eine Fehlentscheidung dazu führen, dass mit dem Privatvermögen gehaftet werden muss.

Das kann so nicht weitergehen!!! Die Politik ist gefordert. Schnelle Lösungen müssen her. Es hilft nicht, wenn Politiker über die Bühnen des Karnevals ziehen und immer wieder erklären, wie toll und wie wichtig das Ehrenamt ist. Es ist nicht wichtig, dass Vorstände in Vereinen einen verbilligten Eintritt im Schwimmbad erhalten. Es ist schon gar nicht wichtig, dass Verbände versuchen, einen Rentenpunkt für das Ehrenamt durchzusetzen. Wichtig ist, dass Geld, das verdient wird, zurück in den Verein fließt.

Fragt man bei der Politik nach, dann heißt es immer wieder, man möchte den Aktivitäten deshalb einen Riegel vorschieben, damit keine noch größere Konkurrenz zur Gastronomie entsteht. Das ist so ziemlich der größte Blödsinn, den ich je gehört habe und immer wieder höre. Das Gegenteil ist doch der Fall. Durch die Aktivitäten der Vereine wird die Gastronomie gefördert. In der 5. Jahreszeit profitieren Kneipen, Säle, Hallen – also die Profis – in hohem Maße von den Veranstaltungen. Das wissen sie auch, obwohl viele von ihnen es nicht gerne zugeben – schon gar nicht, wenn es um die Unterstützung der Gruppierungen geht.

Die Staatskanzlei Rheinland-Pfalz – zumindest einer aus diesen Reihen – lebt wirklich in dem Glauben, dass es für das Ehrenamt jede Menge Menschen gibt, die sich gerne engagieren möchten. Scheinbar hat man in diesem Amt den Blick für die momentane Realität verloren. Diese Person mag Recht haben, wenn sich die Gesetze und Vorgaben ändern würden.
Ein kleiner Dachverband erreicht hier in der Sache übrigens wenig. Wir haben es versucht – ohne Erfolg. Alle Vereine müssen aufstehen und etwas tun. Dabei spreche ich nicht nur von den Vereinen, die im Karneval organisiert sind.

Das Ehrenamt ist eine Stütze unserer Gesellschaft. Ohne das Ehrenamt kommen auf den Bund, die Länder und die Kommunen Kosten zu, die sie gar nicht abschätzen können. Ohne Ehrenamt geht die Gesellschaft in unserem Land in der heutigen Form zu Grunde. Das Ehrenamt braucht Unterstützung und Hilfe — und dies jetzt und nicht dann, wenn es endgültig zu spät ist.

Ich liebe mein Hobby und ich engagiere mich gerne. Ich habe „Spaß an der Freud“. Dies gelingt mir aber nur, weil ich starke Mitstreiter an meiner Seite habe.

 

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