Der Grund dafür, dass die fünfte Jahreszeit genau am 11.11. um 11:11 Uhr beginnt, ist nicht eindeutig geklärt, jedoch stand schon im Mittelalter die Zahl Elf zumindest für Jux und Narretei und im christlichen Glauben auch für die Sünde. Auch endete mit dem November, dem elften Monat, für die meisten Tagelöhner die Zeit ihrer Beschäftigungen. Auf den Höfen gab es nach der Kartoffelernte und bei den Winzern nach der Lese nichts mehr zu tun, Knechte und Mägde wurden zu nutzlosen Essern und mussten die Höfe verlassen. In den städtischen Zentren machte sich in der Folge eine Zunahme dieses bettelnden Lumpenproletariates augenscheinlich bemerkbar. Kälte und Regen führten zu vollen Wirtshäusern, in denen viele dieser Bedauernswerten ihre einzigen Ersparnisse oder ihr Erbetteltes verbrachten. In ihrer Verzweiflung und unter Alkohol wurde dann auch so manche Rede gegen die Obrigkeit geschwungen, hatte man doch im besten Sinne des Wortes nichts mehr zu verlieren. Klerus und Stadtbediensteten war diese freie Rede zwar ein Dorn im Auge, aber man scheute die Kosten einer Inhaftierung und lies jene Gestalten folglich gewähren. Es dauerte natürlich nicht besonders lange, bis sich Bürger in den Städten als Bettler verkleideten, um ebenfalls den Herrschenden die Meinung zu sagen. Um nicht verraten zu werden, zahlten sie meist einige Lokalrunden was sowohl Wirte als auch Bettler als Schweigegeld gerne entgegennahmen. Oftmals wurden solche meist gebildeten und wortgewandten Bildungsbürger im Bettelgewand auf den Tresen gehoben und zum König der Taverne gekürt. Der 11.11. ist in dieser soziologischen Herangehensweise dann aber auch der letzte Strohhalm dieser Bedauernswerten und Rebellen, noch einmal speziell in den katholischen Städten entlang des Rheines auf die Mildtätigkeit der Bürger hoffen zu dürfen, da man zu diesem Datum mit dem Martinstag den Todestag des heiligen Martin von Tours feiert, eines Schutzheiligen, der sich durch sein bescheidenes Auftreten, seine Gnade und seine Mildtätigkeit auszeichnete.

Dieses Gebaren erhält zu Beginn des 19. Jahrhunderts entlang des Rheins neue Nahrung. Köln, Düsseldorf und Mainz werden zu dieser Zeit die Zentren des „politischen“ oder „literarischen“ Karnevals, das heißt der Sitzungen mit Vorträgen. Mainz und die linksrheinische Region wurden nach der Französischen Revolution von Frankreich erobert und unter französische Verwaltung gestellt. Französisch wurde Amtssprache, es galten französische Gesetze und Gerichtsbarkeit. Im Zuge der Revolution hatte dies aber auch mehr Bürgerrechte gebracht, mit einer gewissen Redefreiheit und einer Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz. Mit dem Code Napoleon galt fortan das fortschrittlichste Gesetzeswerk in ganz Europa. Mit der Niederlage Napoleons hatten diese Fortschritte ein Ende, und die alten neuen Herren wollten wieder die Zeit zurückdrehen und den Absolutismus einführen.
In Mainz und Düsseldorf wurden Österreicher und Preußen die militärischen Besatzungsmächte, in Köln hatte die Kirche das Sagen und in Koblenz sogar Kirche und Preußen. Die Bürger in den Städten entlang des Rheines begannen Garden in Uniformen und Pappschwertern aufmarschieren zu lassen, weshalb die Karnevalsgarden in Mainz und Köln bis heute die österreichischen Uniformen der Epoque tragen. Rathäuser und Amtssitze wurden gestürmt. In den Wirtshäusern wurde heftigst politisiert. Prinzen, deren Aufgabe darin bestand, ihre Machtlosigkeit und Verschwendungssucht zu versinnbildlichen, wurden inthronisiert. Räte wurde gebildet. All diese Aktionen fanden in den Tavernen, Kneipen und Spelunken statt und liefen der eigentlichen Ordnung zuwider. Es war ein satirisches Aufbegehren in der Maske des Narren, gegen die Obrigkeit, ohne den Blutzoll einer wirklichen Revolution. Fast dreißig Jahre später sollte dann die Märzrevolution von 1848 ein erster ernsthafter Versuch werden, sich ein gewisses Maß an Mitbestimmung zu erkämpfen. Der politische Karneval war da schon Volksgut und sollte es bis in unsere Tage bleiben.

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