…der Politik mit anderen Mitteln. So referierte der Militärtheoretiker von Clausewitz bereits Mitte des 19. Jahrhunderts. Diese Annahme gründete von Clausewitz auf seine Analysen militärischer Konflikte zurückreichend bis ins antike Rom und Griechenland. Sie ist zunächst auch belegbar und klingt durchaus schlüssig, zeigt sich aus heutiger Sicht aber als zu kurz gegriffen.

Während in früheren Jahrhunderten und Jahrtausenden die Entscheidungen über Krieg oder Frieden in der Regel einsame Entscheidungen von Königen und Cäsaren waren, ist es seit Beginn des 20 Jahrhunderts immer mehr auch die Entscheidung ganzer Völker durch deren gewählte Vertreter. Noch 1864 konnte der Diktator von Paraguay Francisco Solano Lopez einen gleichzeitigen Krieg gegen alle seine Nachbarländer vom Zaun brechen. Lopez hielt sich nach eigener Aussage für eine Reinkarnation des militärischen Genies von Napoleon Bonaparte, was sein Land mit einem Viertel seiner Staatsfläche bezahlen sollte und Paraguay 90% seiner erwachsenen Männer und insgesamt 40% seiner gesamten Bevölkerung kostete. Das Land brauchte Jahrzehnte um sich davon zu erholen und hat seine exponierte Stellung unter den Staaten Lateinamerikas nie wiedererlangt.
Wer aber glaubt solche Torheiten seien ein Relikt längst vergangener Zeiten dem möge man einen Blick nach Mittelamerika empfehlen, wo 1969 der Fußballkrieg ausgefochten wurde. Was sich dem ersten Vernehmen nach noch recht witzig anhört, war wohl der Gipfel des sinnlosen Blutvergießens. Nachdem es beim Entscheidungsspiel zur Teilnahme an der Fußball-WM 1970 zwischen Honduras und El Salvador zu handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen den Fans beider Lager gekommen war, brachen die beiden Nachbarländer zunächst die diplomatischen Beziehungen zueinander ab, um dann binnen Wochenfrist einander zu bombardieren und im Land des Gegners einzufallen. Erst nach vier Tagen konnte eine Abordnung der OAS für eine Waffenruhe sorgen. Ein Friedensvertrag kam erst ganze 11 Jahre später zustande.
Dies sind nur zwei zu Anekdoten verkommene, längst vergessene Konflikte aus zwei Jahrhunderten, die lediglich die Perversion des Schlachtens an sich verdeutlichen sollen. Die Liste der Konflikte zwischen Staaten, Völkern und Religionen ist endlos und ein Ende scheint auch nicht in Sicht. Was aber alle Konflikte, vom trojanischen Krieg über Caesars Gallischen Krieg, den 30-jährigen Krieg bis zu den beiden Weltkriegen und dem Kalten Krieg zwischen den Warschauer Pakt-Staaten und der NATO, gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass wo Viele ihr Leben verlieren und nicht wenige Haus, Hof und Heimat, gibt es immer einige Wenige die sich bereichern.
War es die schöne Helena wegen derer so viele Trojaner und Griechen sterben mussten, oder doch die strategische Lage der Stadt zur totalen Kontrolle des Handels im schwarzen Meer? Über „die Geschäfte des Herrn Julius Caesar“ sind bei Berthold Brecht ebenso Erkenntnisse zu gewinnen wie bei Plutarch, Cicero oder Cassius Dio. Die unzähligen Kriege der Habsburger Kaiser wären ohne die Gelder der Familie Fugger aus Augsburg nicht ansatzweise möglich gewesen. Viele Millionen Tote in Europa und anderswo auf der Welt sind das Resultat dieser unheiligen Allianz. Höhepunkt dieses Body countings ist der 30jährige Krieg, der Endpunkt ist der erste Weltkrieg.
Der Gründungsmythos des Rothschild-Vermögens geht zurück auf den Ausgang der Schlacht von Waterloo 1815, einer Unternehmung die nur durch die Finanzierung der N M Rothschild Bank zu London möglich wurde.
Wer jetzt hellhörig geworden ist, dem sei empfohlen in diesen Tagen, da sich die Erinnerungskultur der Deutschen der Schlacht von Stalingrad widmet, einmal zu recherchieren, was zu Zeiten des totalen zweiten Weltkrieges mit den vielen multinationalen Unternehmen geschah, deren es auch damals schon Einige gab.
Im Jahr 1928 wurde die Adam Opel KG in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Ein Jahr später erstand der US-Konzern General Motors 80% der Anteile der neuen AG. Ab 1940 wurde Opel wie auch die Ford Autowerke in Köln komplett auf Kriegsproduktion umgestellt. Fortan produzierte man LKWs und Panzer für die deutsche Wehrmacht und Motoren für die Luftwaffe. Von 1943 bis 1945 agierte die Adam Opel AG unabhängig von der Konzernmutter, aber 1951 beantragte General Motors die Auszahlung des umgerechnet 22,4 Millionen Reichsmark beinhaltenden Dividendenkontos der Kriegsjahre. Das heißt die Dividenden der Anleger wurden weiter berechnet und auf eine Art Sperrkonto für die Zeit nach dem Krieg verbracht. Eine Enteignung von GM stand nie zur Debatte. Ähnlich sieht es bei Ford, aber umgekehrt auch bei Siemens USA oder Bosch in Großbritannien aus. Es ist also mehr als wahrscheinlich, dass US-Amerikaner an Panzern verdienten, die ihre Söhne töteten, oder dass britische Bomber nur ihre tödliche Last über deutschen Städten aufgrund elektronischer Bauteile von Siemens AG entfachen konnten. Aktionäre die es überlebten, konnten bereits 10 Jahre nach Kriegsende rückwirkend ihre Dividende einfordern.
Auch in der Neuzeit hat sich daran nichts geändert. Der Vietnamkrieg verhinderte nicht das Laos und Kambodscha sich ebenfalls dem Kommunismus zuwandten, er sorgte aber für Vollbeschäftigung bei den ins Wanken geratenen Rüstungsschmieden von Lockheed und Bell Helicopters. Ebenso war George W Bushs Krieg gegen den Terror nicht in der Lage den Terror zu beenden, aber er sorgte für volle Auftragsbücher bei der Firma seines Vizepräsidenten Dick Cheney, der Ölförderfirma Halliburton.

Heute ist wieder Krieg. In Syrien und anderswo. Man sieht das Leid der Bevölkerung und hört von Truppenbewegungen. Man denkt an Carl von Clausewitz und dessen Satz von „der Fortführung der Politik mit anderen Mitteln“ und weiß doch instinktiv, Krieg bedeutet nicht weniger als die Bereicherung der Reichen mit radikaleren Methoden.

 

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