Es gibt Menschen, die sich entscheiden in einem anderen als Ihrem Heimatland zu leben, sei es aus beruflichen Gründen, aus familiären oder aus Gründen der Verfolgung und Bedrohung. 

Mit dieser Entscheidung hofft man ein besseres Leben zu bekommen. Ein Stück der eigenen Prägung und ein Stück innerer Heimat behält man sein Leben lang. Mit Heimat ist hier sowohl die Vergangenheit, wie auch die lieb gewonnenen Gewohnheiten und die Erinnerung an bestimmte Dinge und die emotionale Beziehung gemeint.

In einem anderen Land zu leben und zu arbeiten, beinhaltet jedoch immer die Anpassung an den anderen Lebensraum und an eine andere Kultur. Es bedeutet neben einer neuen Sprache und Kommunikation, dass man ein neues Leben kennenlernt und die Dinge um sich herum neu einschätzen und bewerten muss. Eine gewisse Identifikation mit dem neuen Land und die Bereitschaft sich aufeinander einzulassen ist unumgänglich. Hierzu kann man auch die politische Richtung zählen.

Politiker, insbesondere führende Politiker haben eine Vorbildfunktion und große Medienwirksamkeit, ähnlich wie Fußballspieler. Wenn sich ein Fußballspieler mit einem Politiker oder umgekehrt medienwirksam zeigt, profitieren im Idealfall beide davon. Wenn beide dieselbe Nationalität besitzen, schwingt ordentlich Nationalstolz mit. 

Spielt der Fußballspieler allerdings für ein anderes Land in einer WM, so wird im Idealfall eine Identifikation, zumindest aber Solidarität mit dem jeweiligen Land erwartet. Dies drückt sich zum Beispiel durch das Singen der Nationalhymne aus, sowie in kleinen und großen Medienauftritten, in denen die Haltung erkennbar wird.

Posiert ein Fußballer in einer bedeutsamen Zeit für ein anderes Land und unterstützt dadurch ein anderes Staatssystem, welches in dem Land der Mannschaft zudem mit Skepsis und Misstrauen betrachtet wird, dann entsteht im Spielerteam und in der Fangemeinde der Eindruck von mangelnder Aufrichtigkeit oder fehlender Identifikation, wenn nicht sogar das Gefühl von Verrat. Das schadet dem emotionalen Zusammenhalt. Dies alles sind schlechte Voraussetzungen um in einem Team erfolgreich zum Ziel zu gelangen. Eine eindeutige Klarstellung kann so etwas im Vorfeld allerdings wieder gut machen. Dafür muss aber durch den Fußballspieler Position bezogen werden für das Land, für das er spielt und dies durch eindeutige Handlungen unterstützten. 

Die Frage ist, was bewegt einen Spieler in einer Zeit größtmöglicher Identifikation mit einem Land und seiner Mannschaft, mit dem anderen Staatschef medienwirksam zu erscheinen?

Ist es Verpflichtung oder Stolz? Ist es Werbung für oder die Identifikation mit der politischen Richtung?  Oder war es aus einem emotionalen Zusammenhalt und dem Gefühl der Heimat heraus dem Staatschef einen Gefallen zu tun, unabhängig von der politischen Struktur? Letzteres ist am ehesten nachvollziehbar und verständlich und sollte daher nicht verurteilt werden. Das können insbesondere die Menschen verstehen, die zwischen zwei Welten leben…

 

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