Ich bin zu Besuch bei Levent Geyik. Ganz privat und gemütlich bei einem schwarzen Tee unterhalten wir uns über sein Talent, seine Leidenschaft, über seine Kunst, über Politik, Kemal Atatürk und über unsere gemeinsame Heimat Koblenz. Mir sitzt ein Mann gegenüber, der viel lacht, während unseres Frage-Antwort- Spiels. Er nimmt das Leben locker, dass nicht immer locker zu ihm war. Ein Denker, nicht nur seine Kunst betreffend.

Lieber Levent, Deine Kunst ist, in einem Satz.
Meine Leidenschaft.

Was wäre dein Leben ohne deine Kunst.
Leer. Es gibt keinen Tag, an dem ich mich nicht damit beschäftige, trotz eines Vollzeitjobs und anderen Herausforderungen des Alltags.

Würdest du für die Kunst deinen Hauptjob aufgeben?
Naja, meinen Beruf liebe ich auch. Ich bin Vertriebsleiter in einem Softwareunternehmen. Es macht wirklich Spaß.
Ist es der Gegensatz zwischen Beruf und Hobby, der diese Zweigleisigkeit so spannend macht? So eine Art Ausgleich?
Ja, das kann man tatsächlich so sehen. Allerdings findet da gerade ein Wandel statt. Früher war es das Hobby, das den Ausgleich zum Job bildete. Heute ist die Kunst mehr zum Lebensmittelpunkt geworden.

Kunst oder Liebe. Gibt es da für dich einen Unterschied?
Kann man nicht voneinander trennen.

Wo stehst du heute und wo möchtest du hin, im künstlerischen Kontext?
Ich bin schon viele Schritte gegangen, aber es gibt immer wieder Momente, in denen man denkt, dass es der erste Schritt zu etwas Neuem ist. Die Etappen setzt man sich nicht vorher, doch man erkennt sie gerade erst dann, wenn gerade wieder was Neues bevorsteht. Wahrscheinlich werde ich in fünf Jahren das gleiche zu diesem Thema sagen, es ist
der erste Schritt zu Etwas.

Wie hast du zur Malerei gefunden?
Ich male mit Unterbrechungen seit 2002 auf Leinwand. So intensiv wie heute male ich erst seit 2015. Unmittelbar nach dem Tod meines Vaters, hatte das etwas mit meiner Trauerbewältigung zu tun. Damals versuchte ich das erste Mal in meinem Leben ein Gesicht zu malen, bis ins Detail.

Hast du eine besondere Lebenseinstellung, was auch deine Malerei betrifft?
Ich habe ein glückliches und gutes Leben. Ich bin immer dankbar für alles, was ich habe aber ich bin immer auch gespannt auf das, was noch kommt. Ähnlich ist es bei meiner Kunst. Ich fange immer bei weis an, ich fange immer bei null an. Meine Motivation ist oft, was am Ende herauskommen wird. Ich plane es nie zu 100%. Es ist eher ein Spontanrealismus, was Farben und Formen letztendlich aus meinem Vorhaben machen.

Was ist der Unterschied zwischen Kunst und Schrott? Joseph Beuys hat Fett in eine Wanne geschmiert. Wenn das ein Kind macht, bekommt es Schimpfe. Erklär das mal einem Kunstbanausen, wie mir.
Entweder es greift dich oder es greift dich nicht. Da gibt es sicherlich viele Beispiele, über die man sprechen kann. Aber auch wenn es wie eine Floskel klingt, Kunst entsteht im Auge des Betrachters. Das ist doch gerade das Interessante daran. Ich habe mal einen Interview gelesen, in dem ein Künstler sagte:“…ein Quadratmeter blau kostet bei mir 20.000 Euro.“ Natürlich entstehen manche Preise und auch manche Begeisterung, weil das Kunstwerk die Unterschrift eines bestimmten Künstlers trägt. Sinn macht es nicht immer, aber das muss es auch nicht immer.

Eventuell sind es die Botschaften, die man herauslesen könnte, die bestimmte Kunstwerke so wertvoll macht. Ist es auch bei dir so, dass immer eine Botschaft im Vordergrund steht und daraus ein Bild entsteht?
Natürlich. Es hängt immer von meiner Stimmung ab. Es spiegelt sich in Farben wieder, in der Maltechnik. Wenn ich nicht gerade entspannt an der Leinwand sitze, arbeite ich eher mit Spachteln. Die Farben werden dann eher dicker, ich gehe weniger feinfühlig ans Werk. Ich denke schon, dass fast immer eine Botschaft oder eine Gefühlslage interpretiert werden kann.
Wann kam es dir erstmalig in den Sinn Künstler zu werden?
Schon als Kind. Mehr auf Papier. Schriftzüge, Menschen, Figuren. 2002 bin ich dann ganz spontan mal in einen Bastlerladen gegangen und habe mir Leinwand und Ölfarben gekauft, habe dann angefangen zu malen, ohne zu wissen, was es sein wird. Wäre es nicht die Kunst geworden, dann wäre ich wahrscheinlich trotzdem im zeichnerischen Bereich geblieben. Vielleicht Bauzeichnen oder Architektur.

Denkst du denn du bist talentiert? Oder verdankst diese tollen Ergebnisse deinem Fleiß?
Viel Arbeit ist es immer gewesen. Als ich damals meinen Vater malen wollte, hat es wirklich viel Zeit und auch Geduld gekostet. Du musst bestimmte Merkmale treffen, damit du das Gesicht so hinbekommst. Ein Blick, der Mundwinkel, die Augen. Es muss dann auf einem Blick erkennbar sein, um wen es geht. Das war Fleißarbeit. Ich habe damals Tag und Nacht gemalt. Aber sicherlich ist ein Stück Talent mit dabei, vor allem aber Leidenschaft. Ich liebe den Duft der Farben, ich liebe es damit zu spielen, ich liebe es mich dreckig zu machen und ich liebe die Ergebnisse.

Ist der Ort für dich wichtig?
Mein Atelier ist mir heilig. Ich muss in meinem Bereich sein. Geographisch habe ich nicht darüber nachgedacht, aber Koblenz ist meine Heimat, sicherlich tut es gut, in Koblenz zu sein und in Koblenz zu malen.

Gibt es einen Lieblingskünstler?
Voka, ist ein sehr Guter und Marco Grassi. Dieser Begriff des Spontanrealismus stammt auch meines Wissens von Voka. Die beiden begeistern mich schon sehr.
Gibt es jemanden, den du schon immer etwas fragen wolltest?
Wir waren letzte Woche noch in Paris und natürlich auch im Louvre. Die Eindrücke, die ich dort gesammelt habe, lassen mich natürlich nicht los. Da gibt es sicher den einen oder anderen, den ich gerne gefragt hätte, leider leben die nicht mehr. Da will man sicher was vom Künstler selbst erfahren.

Du verwendest oft Kemal Atatürk als Motiv.
Es gab Anlässe dazu. Das wird sicher auch abnehmen. Es gab auch andere Motive wie, meinen Vater, Che Guevera, oder Tuncel Kurtiz, usw. Nächste Woche stelle ich einige meiner Bilder in Istanbul bei einem Anlass zum Gründungstag der Türkischen Republik aus. Da kann ich natürlich nicht Marilyn Monroe ausstellen. Wichtig ist es mir, wenn ich Portraits male, dass es Persönlichkeiten sind. Menschen die Spuren hinterlassen haben.

Danke für deine Zeit. Wir könnten sicher noch stundenlang über Kunst sprechen, leider reicht unser Magazinformat nicht dafür aus. Mehr von dir gibt es bei Facebook und auf deiner Seite www.leventgeyik.de. Wir hoffen, einige unserer Leser auf dich aufmerksam machen zu können.
Danke für das Lob und das Interview. Ich bin gespannt auf die nächste Ausgabe.

 

Bildquelle: Levent Geyik