Trump hatte am Freitag angekündigt dass Zölle auf Stahl und Aluminium für die Türkei verdoppelt werden.
Das führte zu einem massiven Kurverlust der Lira.

Die USA sind mit 2 Millionen Tonnen großer Abnehmer von Stahl aus der Türkei.
Das klingt nach viel, ist jedoch mit einem Gegenstandswert von ca. 1,2 Mrd. Dollar für die negative Handelsbilanz der Türkei nicht maßgeblich verantwortlich.
Die Türkei exportiert insgesamt Waren im Wert von ca. 80 Mrd. Dollar.
Die fundamentale Auswirkung der Zölle auf die Lira wird hier überschätzt dargestellt.
Meiner persönlichen Meinung ist der Ausverkauf der Lira die Kombination aus einer Panikreaktion der Anleger und Leerverkäufen ausländischer Spekulanten.

In der Nacht zum Montag hat die Bankenaufsicht BDDK Transaktionen, die türkische Banken mit ausländischen Investoren tätigen, auf 50 Prozent des Eigenkapitals einer Bank beschränkt.
In einer Erklärung hieß es, dass der Zinssatz täglich berechnet wird
und neue Transaktionen nicht durchgeführt oder erneuert werden,
bis der aktuelle Überschuss des Betrags bei der Hälfte des Kapitals einer Bank realisiert wird.

Na das ist doch immerhin eine Reaktion möchte man sagen, nur hätte man auch das nicht eleganter und nachhaltiger lösen können?

Natürlich wird gerade gegen die Lira spekuliert.
Leerverkäufe sind allerdings nicht gratis.
Sie kosten die Zinsdifferenz der Währungen.
Spekulanten müssen also für Ihre Short Positionen auf die Lira 15% Aufschlag bezahlen.
Würde man die Zinsen anheben, würde auch dieser Aufschlag irgendwann so groß werden,
dass man auf einen Wertverlust der Lira von über 30% pro Jahr spekulieren müsste.
Das wäre selbst im Augenblick ein sehr riskanter Trade und Abschreckung genug.

Eine unabhängige Zentralbank würde jetzt die Zinsen kräftig anheben,
wie sie es im zum Beispiel im Mai gegen den Willen Ankaras auch tätigte.
Damals wurde die Talfahrt der Lira mit einer Zinsanhebung des Spätausleihungssatzes auf 16,5% erst einmal gestoppt.
Derzeit liegt der Zinssatz bei knapp 18%.

Damals wie heute gibt es Widerstand gegen rationale finanzpolitische Maßnahmen.
Wohin das führt, sehen wir Ende der Woche, wenn der Euro bei über 8 Lira liegen wird.

Leider hat sich Ankara mit dieser gravierenden Einmischung in den FOREX Handel um 29 Jahre zurück katapultiert.
Im erweiterten Sinne bedeutet sie die Aufhebung der Konvertibilität der eigenen Währung.
Ab jetzt wird der Wert der Lira in Ankara festgelegt, der reelle Wert der Devisen jedoch in Tahtakale, Istanbul.

Na dann noch einen tollen Start in diese aussichtsreiche Woche!

 

Bildquelle: Vecteezy