Inzwischen gehen viele Eltern mit ihren Babys und Kindern zum Osteopathen, beispielsweise wenn diese unter Verdauungs- oder Schlafstörungen, Entwicklungsverzögerungen, Kieferfehlstellungen, Hyperaktivität oder Migräne leiden. In vielen britischen Geburtskliniken ist die Untersuchung des Säuglings durch einen Osteopathen Standard. Auch in Deutschland sollte jedes Neugeborene einmal vom Osteopathen untersucht werden.

Viele Haltungsschäden, aber auch organische Beeinträchtigungen entstehen aus osteopathischer Sicht durch eine Verschiebung der Schädelknochen unter der Geburt, bei der enorme Kräfte auf den Kopf- und Halsbereich des Babys einwirken. Sind die Schädelknochen verschoben, können an den Verbindungsstellen Blutgefäße und Nerven eingeengt sein – die daraus resultierenden Probleme können sich noch  Jahrzehnte später bemerkbar machen; auch als unspezifische Symptome wie Migräne und Tinnitus im Erwachsenenalter. Bei frühzeitiger Behandlung erkennt der Osteopath den Zusammenhang zwischen Knochenverschiebung und Belastung der Nervenstränge schon bei den ganz Kleinen: je nach Symptom z.B. als Ursache für vermehrtes Schreien oder Spucken, große Schreckhaftigkeit oder Einschlafprobleme.

In der Altersgruppe der Drei- bis Zehnjährigen sind es häufig kieferorthopädische Probleme, die der Osteopath beheben soll. Bei intensiver zahnärztlicher Behandlung der Kiefer, hat dies oft strukturelle Veränderungen zur Folge. Dies führt zu veränderten Spannungsverhältnissen von Bändern und Muskeln in der gesamten Kiefer- und Halsregion. Daraus können Kopfschmerzen und Nackenprobleme resultieren, die schulmedizinisch ohne Befund bleiben. Eine osteopathische Begleitbehandlung ist hier die optimale Ergänzung, natürlich immer in Absprache mit Kieferorthopäden und dem Zahnarzt.

Bei Kleinkindern genügt manchmal eine einzige Behandlung. Zum Beispiel bei unklaren wiederkehrenden Bauchschmerzen. Alle Untersuchungen beim Kinderarzt und in der Kinderklinik können ergebnislos bleiben.. Hier könnten Verklebungen zwischen Inneren Organen die Ursache sein. Hervorgerufen werden diese durch Entzündungen oder Antibiotikagaben. Behandelt wird hier im sogenannten viszeralen Bereich, der die inneren Organe betrifft. Dabei wird die Beweglichkeit der Organe und der Faszien (Muskel- und Bindegewebe) ertastet und durch einfache Handgriffe verbessert.

In meiner Praxis in Koblenz – Rübenach behandele ich Kinder ab 5 Jahren. Für jüngere Kinder oder Säuglinge empfiehlt es sich, zu einem ausgewiesenen Kinderosteopathen zu gehen. Es handelt sich um eine Spezialausbildung von weiteren zwei Jahren, die berufsbegleitend absolviert wird. Man findet diese Spezialisten in den Therapeutenverzeichnissen des Verbandes für Osteopathen in Deutschland (VOD) oder des Berufsverbandes Osteopathie (bvo). In diesen Listen finden sich nur Kollegen, die eine vollständige Osteopathieausbildung über 4 bis 5 Jahren mit mindestens 1350 Stunden absolviert haben. Das sind die Mindestanforderungen für die Zusatzqualifikation Kinderosteopathie.

 

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