Manchen Menschen ist es suspekt, wenn ihr Bauch während einer osteopathischen Sitzung abgetastet wird. Viel zu weit weg und oft auch unscheinbar wird der Bauch erlebt. Wieder andere sind fürchterlich kitzelig.

Für uns Behandler nimmt der Bereich der inneren Organe jedoch einen wichtigen Platz in der osteopathischen Betrachtung ein. Nicht selten sind die Bauchorgane Verursacher verschiedenster Symptome. Verkrampfungen, Bauchschmerzen, Verdauungsstörungen wie Durchfall, Verstopfung oder übermäßige Blähungen, verklebte Narben oder der bloße Fakt einer absolvierten Bauchoperation führt die Menschen in die osteopathische Praxis.

Hierzu ein Fallbeispiel :

Ein Mann stellt sich mit starken Hüftschmerzen vor. In keinster Weise kann er die Symptome beeinflussen und ihm ist auch kein Trauma bekannt.

Im Gespräch stellt sich heraus, dass der im Außendienst tätig ist und  morgens ziemlich hektisch aus dem Haus flieht. Das Frühstück findet im Auto statt, Darmentleerung wenn überhaupt, dann erst nachmittags. Ich bin kaum überrascht, dass sich in der Untersuchung ein prall gespannter Dickdarm findet.

Mit verschiedenen osteopathischen Techniken gilt es nun, dem Organ mehr Beweglichkeit zu geben. Die aus Muskulatur bestehende Darmwand möchte entspannt werden. Sanfte dehnende Bewegungen in Längs- und Querrichtung des Darmverlaufs, vorsichtige Lockerungen der verkrampften Darmschlingen, das Entspannen der zugehörigen Nerven sowie die Behandlung von Reflexpunkten bringen den gewünschten Erfolg. Kaum zu Hause angekommen, geschieht eine üppige Entleerung.
Im Gespräch hatten wir noch erörtert, warum es wichtig ist, den Tag in Ruhe zu beginnen und sich Zeit für die Darmentleerung zu nehmen. Mit diesen Tipps zieht er los und nach ein paar Wochen schreibt er mir eine E-Mail und berichtet, dass sich die Hüftschmerzen völlig aufgelöst haben.

Im beschriebenen Fall hat der gespannte und oft länger als nötig gefüllte Dickdarm das Becken veranlasst, sich etwas zu verdrehen. Im Prinzip eine sehr schlaue Kompensation des Körpers. Solange es geht, passt sich der Körper mit seinen knöchernen Anteilen an, um den Organen wie in diesem Fall dem Dickdarm, Platz zu geben. Erst wenn sich das körpereigene Kompensationssystem erschöpft, machen sich erste Symptome bemerkbar.

Da das Hüftgelenk in seiner Stellung biomechanisch dem Becken folgt, hat sich die Bewegung der Hüfte ebenfalls minimal verändert und nach einiger Zeit mächtige Schmerzen hervorgerufen. Wie gut, dass wir ungeniert sprechen konnten, so war diesem Mann schnell geholfen.

 

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