Ablauf der osteopathischen Schmerztherapie und osteopathischen Lymphdrainage

Vor der Behandlung

Es ist ratsam, vor der osteopathischen Konstultation eine eingehende schulmedizinische Diagnostik voranzustellen. Auch Befunde aus früheren medizinischen Untersuchungen sind hilfreich. Die Osteopathie ergänzt in vielen Fällen die klassische Schulmedizin, ersetzt diese aber nicht.

Erstbehandlung

Die Erstbehandlung beginnt mit einem ausführlichen Anamnesegespräch über den Grund der Konsultation. Dies umfasst auch die Vorgeschichte der Krankheit bzw. des Krankfühlens. Dabei spielen auch Dinge eine Rolle, die auf den ersten Blick vielleicht nichts mit den eigentlichen Beschwerden zu tun haben. Dazu zählen zum Beispiel zurückliegende Unfälle, Krankheiten, Operationen, emotionelle Belastungen und Ihre Lebenssituation (Ernährung, Lebensgewohnheiten). Es kann ein Zeitraum bis zurück zu Ihrer Geburt betrachtet werden.

Es folgt eine ausführliche Untersuchung, in der mit Hilfe der Hände die Beweglichkeit, Elastizität, Spannung und der energetische Zustand des gesamten Körper betrachtet wird.

Im Anschluß erfolgt die osteopathische Behandlung im ganz individuellen Sinne. Hier muss nicht notwendigerweise an dem aktuellen Schmerzort behandelt werden, denn die Ursache für die Störung im Organismus kann aus Sicht der Osteopathie in einer ganz anderen Körperregion liegen.

Während der Behandlung schweige ich, um mich völlig neutral in Konversation mit dem Gewebe des Patienten zu begeben. Am Ende der Konsultation besteht die Möglichkeit, beim Patienten aufgekommene Fragen zu klären, weiterhin werde ich auch Hinweise zur Untersützung der Genesung geben. Falls nötig, wird auch die zusätzliche Weiterbehandlung durch einen Facharzt oder anderen Therapeuten erörtert.

Die Folgebehandlungen gleichen der Erstbehandlung. Das Anamnesegespräch wird jedoch kürzer gehalten.

Nach der Behandlung

Durch die Behandlung kann sich Ihr Körper leicht und frei oder aber auch sehr müde fühlen. Geben Sie ihm die Chance ein neues Gleichgewicht zu finden und vermeiden Sie nach Möglichkeit starke Belastungen. Gönnen Sie sich Ruhe am Behandlungstag und gehen Sie etwas spazieren.

Wichtig ist auch an den folgenden Tagen viel zu trinken (kohlensäurefreies Wasser oder Kräutertees), um die gelösten Schlackestoffe aus dem Körper zu spülen.

Geschichte der Osteopathie

Andrew Tayler Still, der Begründer der Osteopathie, wurde am 06.August 1828 in Jamesboro, Virginia (USA) geboren. Er beginnt die medizinische Praxis als Lehrlingsdoktor bei seinem Vater.
Still arbeitete im Amerikanischen Bürgerkrieg als Arzt und Chirurg und stellte fest, dass im Krieg nicht der Feind die meisten Opfer forderte, sondern Krankheit und Infektion.
Im Jahre 1867 starben drei seiner Kinder an Hirnhautentzündung. Er konnte ihnen mit den damals üblichen medizinischen Methoden (Blut ablassen, Reinigung durch Quecksilber u.a.) nicht helfen und wandte sich gegen die traditionelle Medizin.
Er beschäftigte sich fortan mit Anatomie, Evolutionstheorien, Spiritualismus, Magnetismus, „bone setting“ und entdeckte das Prinzip von Ursache und Wirkung am menschlichen Organismus. Im Jahre 1885 gibt Still seinen Theorien den Namen „Osteopathie“, was soviel bedeutet „Einfluss der Knochen auf die Krankheit, deren Ursache und Genesung“.
1892 gründete er die „American school of Osteopathy“ (ASO) in Kirksville, Missouri (USA). Zu seinen Schülern gehörte u.a. W.G. Sutherland, der Begründer der Craniosacralen Osteopathie und J. Martin Littlejohn, der 1917 in London die erste europäische Schule für Osteopathie gründete.
Andrew Tayler Still starb am 12. Dezember 1917 in Kirksville und es dauerte bis zum Jahre 1974, bis alle amerikanischen Bundesstaaten die Osteopathie anerkannten.
In Europa verbreitete sich die Osteopathie von England über Frankreich (1957), Belgien nach Holland, bis im Jahre 1989 mit dem College Sutherland die erste Schule in Deutschland gegründet wurde.

 

Philosophie der Osteopathie

Die osteopathische Medizin wird von drei Grundprinzipien bestimmt :

1. Der Körper ist eine vollkommene biologische Einheit
2. Die Struktur (Form der Organe) und deren Funktion sind voneinander abhängig.
3. Die Fähigkeit des Körpers sich selbst zu heilen und selbst zu regulieren.

Hieraus wird klar, dass die osteopathische Medizin eine gesundheitsbezogene, personenzentrierte und auf natürlichen Prozessen beruhende Medizinphilosophie, Wissenschaft und Kunsthandwerk darstellt. Das ethische Fundament der Osteopathie bildet Respekt und Mitgefühl gegenüber dem Patienten.

Medizinphilosophie
Das Leben ist Ausdruck und Widerspiegelung einer vollkommenen Schöpfung, deren Systeme sich in einer rhythmisch balancierten Wechselwirkung befinden. Aus Sicht der Osteopathie existiert ein Selbstorganisationsmechanismus auf den drei Ebenen Körper, Geist und Seele.

Wissenschaft
Jedes Körperteil und jedes Organ benötigt zum optimalen Funktionieren viel Bewegungsfreiheit. Ist die Beweglichkeit eingeschränkt, entstehen aus Sicht der Osteopathie zunächst Gewebespannungen und darauf folgend Funktionsstörungen. Die Summe dieser Fehlfunktionen kann der Organismus, dem osteopathischen Denkmodel zu Folge, nicht mehr kompensieren. Es entstehen Beschwerden.

Kunsthandwerk
Die Kunst des osteopathischen Therapeuten besteht darin, mit den Händen die Gewebespannungen aufzuspüren und zu beheben. Die Osteopathie behandelt demzufolge keine Krankheiten im eigentlichen Sinne, sondern Bewegungsstörungen im weitesten Sinne. Aus Sicht der Osteopathie können Bewegungsstörungen auf den drei Ebenen Körper, Geist und Seele behandelt werden.

 

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