Kannst Du versuchen, kurz zu erklären, was Osteopathie ist?

Osteopathie einfach so zu definieren, geht nicht. Man kann sich vorstellen, dass man mit dieser Behandlungstechnik theoretisch alles behandeln kann. Der Patient steht hierbei im Mittelpunkt und nicht die Symptome. Der Osteopath verbessert die Rahmenbedingungen im Körper, damit die Bindegewebs- und Lymphflüssigkeit besser zirkulieren kann und damit die Selbstheilung des Körpers einsetzen kann.

Unterscheidet sich die Osteopathie von anderen ganzheitlichen Verfahren?

Die Idee dahinter ist, dass das Gesunde im Menschen in der Osteopathie im Vordergrund steht. Jeder kranke Mensch hat auch ein Stückchen Gesundheit in sich, was durch den Flüssigkeitstransport und der Selbstregulation des Körpers wieder in den Vordergrund gestellt wird. Um den Flüssigkeitstransport wieder zu verbessern, werden Blockaden und Gewebsverspannungen im Körper aufgefunden und behoben.

Osteopathie und Schulmedizin – Passt das zusammen?

Osteopathie ist eine Begleitung und Möglichkeit zur klassischen Schulmedizin, es gibt Ärzte, die das auch unterstützen und verankert haben möchten. Die Osteopathie ist vergleichsweise eine junge Medizinform mit seinen 144 Jahren. Viele Krankenkassen bezuschussen übrigens eine osteophatische Behandlung. Wenn der Facharzt nicht mehr weiter weiß oder an seine Grenzen kommt, ist hier osteopathische Behandlung eine gute Möglichkeit, um auf die Krankheit Einfluss zu nehmen. Die Osteopathie ist allerdings keine Konkurrenz zur Schulmedizin. Anwendbar ist die Osteopathie auf jedes Alter.

Gibt es für Dich Vorbilder, an denen Du Dich als Therapeut orientieren kannst?

Ganz klar: Etienne Cloet. Er gründete die erste Osteopathieschule in Deutschland und ich durfte in seiner Schule in Schlangenbad meinen Abschluss machen. Ansonsten versuche ich mich an die Arbeits- und Denkweisen der Gründerväter der Osteopathie zu halten. Andrew Taylor Still und Wiliam Garner Sutherland, sowie Robert Fulfort sind für mich wirkliche Vorbilder.

Hat die Osteopathie Dich persönlich beeinflusst?

Ja, durch die Haltung und Herangehensweise der Osteopathie. Es ist irgendwie spirituell: Man sieht den Menschen als Ganzes und nicht nur das Symptom der Krankheit. Man muss, anders, als es in der Schulmedizin ist, mit Bedacht, Aufmerksamkeit und Liebe an den Körper herangehen und ihn auch so berühren. Man geht mit einer gewissen Demut an das Gewebe und muss diesem auch „zuhören“ können. Und ebendies strahlt auch auf mich persönlich ein, dass man einen Menschen so nimmt, wie er ist und dass man versucht, ihm zuzuhören, auch wenn man nicht einer Meinung ist und versucht Gemeinsamkeiten zu finden.

Hast Du bestimmte Behandlungsschwerpunkte?

Ich spezialisiere mich auf den Menschen, daher therapiere ich ab dem Kleinkindalter jeden Patienten. Auch gibt es keine Festlegung auf Krankheiten, denn das ist keine osteopathische Denkweise. Eine Erkrankung ist nur ein Symptom, da braucht mein kein Spezialist in der Erkrankung zu sein. Deswegen bin ich da sehr frei, was die Spezialisierung anbelangt. Ich bin gelernter Physiotherapeut, habe die ganze Palette der manualtherapeutischen Techniken zusätzlich die osteopathischen und medizinischen Arbeitsweisen gelernt. Somit habe einen großen Handwerkskoffer und überlege bei jedem Patienten, was ich Gutes tun kann. Man muss halt patientenzentriert arbeiten, denn es kommt auf den individuellen Menschen und seinen Körper an.

Wie bist Du zur Osteopathie gekommen?

Ich habe als Physiotherapeut damals erkannt, dass ich über ausschließlich Körperbewegung nicht die Patienten so heilen kann, wie es eigentlich sein sollte. Da stößt man mit der herkömmlichen Medizin einfach auf seine Grenzen. Und ich habe mich gefragt, was man noch im Körper machen kann, um heilen zu können. Dann habe ich für mich die Osteopathie entdeckt.

Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview!

Ein spannendes Fach, mit dem wir uns sicherlich noch in den folgenden Ausgaben beschäftigen werden.

Mehr unter: www. osteopathicum-koblenz.de/blog1

 

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