Montagmorgen. Die Situation Zuhause ist durch den drei Monate alten Familienzuwachs, den einhergehenden Schlafentzug und das eifersüchtige Geschwisterlein etwas angespannt. Kaum im Büro angekommen baut sich Ihr Chef vor Ihnen auf und erklärt mit Nachdruck, dass jeder Fehler am heutigen Tag den Ruin der Firma zur Folge haben könnte. Aus diesem Grund wird Ihr Schreibtisch in den Firmenhof befördert, wo sich alle Angestellten versammeln , um sie bei ihrem Tagewerk genaustens unter die Lupe nehmen zu können. Gleißendes Scheinwerferlicht verwandelt die Szenerie in einen Schaukasten. Kameras werden aufgebaut, um ihren Arbeitstag haarklein zu dokumentieren und diesen deutschlandweit in die Zweigstellen zu übertragen. Da Sie in Drucksituationen zu verschwitzten Händen neigen, flutscht Ihnen die Kaffeetasse aus den Händen und das zur Beruhigung gedachte Getränk ergießt sich über den Aktenberg. Nachdem alles trockengelegt ist und sich der Puls bei konstanten 180 Schlägen eingependelt hat, versuchen Sie mit zittrigen Händen die erste Transaktion des Tages zu tätigen. Sie sind so durcheinander, dass die Maus in ihren Händen ein Eigenleben entwickelt und setzen im Computerprogramm ein Häkchen falsch, was alle Kollegen laut aufstöhnen lässt. Irritiert hauen sie panisch auf ‚Enter’ und das Unheil nimmt seinen Lauf. Sie sind fassungslos, ein solcher Fehler ist Ihnen noch nie passiert. Während Sie sich verzweifelt bemühen, den Supergau zu stoppen, geht das Murren der Kollegen in erste Beleidigungen über: „Versager!“ – „Mach doch mal die Augen auf, du Blinder!“ Sie versuchen, diese Ausbrüche auszublenden. Versuchen, sich zusammenzureißen. Versuchen, die zum zerreißen gespannten Nerven zu behalten! Gerade sieht es so aus, als würden Sie sich wieder fangen, da schallt aus tausend Kehlen „wir wollen Dich kämpfen sehen!“ und zwei ihrer Kollegen entrollen ein Spruchband, auf dem in blutroten Buchstaben steht: WENN DU DAS VERSAUST, JAGEN WIR DICH DURCH DIE STADT. Würden Sie in einer solchen Atmosphäre zu Höchstform auflaufen? Würden Sie in einer solchen Umgebung nur annähernd Normalform erreichen? Kein Geld der Welt kann Fußballer zu gefühl- und fehlerlosen Robotern machen. Und ja, trotz ihres dicken Bankkontos sind Spieler des HSV Menschen aus Fleisch und Blut, mit Nerven und fehlbar wie alle anderen. Es wäre schön, wenn sich das alle Beteiligten immer mal wieder vor Augen führen würden. An guten wie an schlechten Tagen. Schließlich ist ein Stümer nach einem Hattrick auch nicht gleich ein anbetungswürdiges, entrücktes Wesen, das auf ein Podest gehört. Er ist einfach ein junger Kerl mit einem Talent, das andere nicht haben! Nicht mehr und nicht weniger.

 

Bildquelle: unsplash