„Droht Trump über eine vermeintliche Sexaffäre zu stürzen?“  So titelten die Gazetten in den letzten Tagen über den Globus verteilt. US-Präsident Donald Trump scheint seine Vergangenheit einzuholen, hatte der Milliardär doch vor einigen Jahren eine intime Beziehung zu einem Pornostar namens Stormy Daniels um sich später mit einem hohen Geldbetrag deren Schweigen zu erkaufen.

Frau Daniels hätte sich zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich genau so wenig wie Trump selbst träumen lassen, mit dem künftigen Präsidenten der USA kopuliert zu haben und hat nun diesen Umstand genutzt um das vereinbarte Schweigen dann doch zu brechen. Ob ihre Motivation nun Sorge um ihr Heimatland oder eine simple Leistungsanpassung war, sei dahingestellt und letztlich wird nur Frau Daniels selbst eine Antwort darauf haben.

Süffisant stürzt sich die Presse seit Wochen auf diese Geschichte, aber es ist bei weitem nicht klar, welche Tragweite besagtes Schäferstündchen haben wird. Es wirft allerdings die Frage auf, was Amt und Affäre so unvereinbar macht. Es lässt sich trefflich streiten ob der Milliardär mit seiner Wahl der Partnerin Geschmack bewiesen hat, oder ob es moralisch verwerflich war, während die eigene Gattin hochschwanger ist, sich der Dienste einer (Gelegenheits-)Prostituierten zu bedienen. Man könnte entschuldigend einwerfen, dass es für Ivanka Trump, ein früheres slowenisches Topmodel, eine kalkulatorische Größe gewesen sein muss, der Libido ihres Mannes freien Lauf zu lassen, wenn man bedenkt, dass dieser seiner Erscheinung nach auch nicht gerade dem Abbild eines Adonis entspricht und die spätere Frau Trump sich nicht auf einen Adonis mit dem Monatseinkommen eines  Automechanikers oder eines Fabrikarbeiters einlassen wollte oder konnte. Man könnte spätestens seit der Inauguration des Präsidenten Donald Trump und der mehr als arktischen Kälte der Beiden vor den dort laufenden Kameras, generell den Zustand der Beziehung der Beiden als materielles Zweckbündnis abtun und entsprechend den eigenen hohen Maßstab signifikant nach unten nivellieren., aber trotz all dieser Möglichkeiten und Denkansätze bleibt eine Frage bestehen: Warum sollte das sexuelle Verhalten eines Politikers Gradmesser für die Ernsthaftigkeit seiner Politik sein? Grundsätzlich hat das eine mit dem Anderen zunächst nichts zu tun. Im Falle Trumps um so kategorischer, da sich jene Beziehung lange vor dessen politischer Karriere zutrug.

Zieht man den Fall des britischen Heeresministers John Profumo hinzu, der 1963 während er in Amt und Würden war, eine geheime Affäre zu der Prostituierten Christine Keeler hatte, während diese mit einem sowjetischen Geheimdienstoffizier liiert war, könnte man freilich argumentieren, dass das Risiko staatsgefährdenden Geheimnisverrates durchaus existent gewesen ist. Folgerichtig zwang die öffentliche Meinung den Minister auch zum Rücktritt.

Ähnliches gilt für Trumps Vorgänger im Weißen Haus, Bill Clinton, dem monatelang ein Amtsenthebungsverfahren drohte, weil er eine unangemessene Beziehung zu seiner Praktikantin Monika Lewinski hatte. Sicherlich hatte er, egal ob aus Scham oder Kalkül, in dieser Sache gelogen, aber andererseits war Frau Lewinski zum Zeitpunkt der Liaison volljährig und hatte sämtliche Sicherheitschecks bei Job-Antritt ohne Probleme überstanden und so hätte es politisch gar keine Rolle spielen dürfen, ob und wie die Beiden miteinander verkehrten. Dass dem nicht so war, lag lediglich an der mangelnden Akzeptanz und der Entrüstung der Wähler. Schlimmer noch färbte der Skandal so kurz vor den Präsidentschaftswahlen zur Nachfolge Clintons zusätzlich auf den eigenen Kandidaten, Vizepräsident Al Gore ab, den dies im knappsten Wahlkampf der US-Geschichte wertvolle Stimmen kostete. Auch sollte man sich des Maßstabes gewahr sein, wenn man bedenkt das mit dem Impeachment bei Bill Clinton das gleiche Instrument zum Einsatz kam, wie bei Richard Nixon, dem man mit Watergate wirklich kriminelle Machenschaften zur Last legen konnte. So ist es denn erstaunlich, dass besonders in den USA wo man Politikern gerne in der Gänze moralische und ethische Grundsätze abspricht, diese gleichzeitig in überhöhtem Maß einfordert. In Bezug auf Präsident Trump ist es für uns Außenstehende kaum begreiflich, dass bei aller Unfähigkeit die der Mann bislang bewiesen hat und bei allen Gelegenheiten bei denen er dieses hochangesehene Amt beschädigt hat, ausgerechnet dieses schmutzige kleine Detail zu dessen Sturz führen soll.

 

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