Ministerinnen-Kolumne Renk Renk, Ausgabe Februar 2020

Liebe Leserinnen und Leser von Renk Renk,

jedes Jahr werden tausende Frauen in Deutschland vergewaltigt. Berücksichtigt man, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt, muss man noch von weitaus mehr solcher Verbrechen ausgehen. Was oft nicht bekannt ist: Die meisten Vergewaltigungen passieren im eigenen Zuhause durch Partner, Ex-Partner oder Bekannte. Und etwa jeden dritten Tag wird eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet.

Damit Frauen neben seelischer auch direkt medizinische Hilfe bekommen, ist in Rheinland-Pfalz das Modellprojekt „Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung“ an den Standorten Mainz und Worms gestartet. Nun ist noch der Modellstandort Trier dazu gekommen, den ich im Januar eröffnet habe. Im April werden wir zusätzlich einen vierten Standort in Koblenz eröffnen.

Das Projekt fußt auf der Erfahrung, dass die meisten Frauen und Mädchen direkt nach einer solch schrecklichen Gewalttat nicht in der Lage sind, sich für oder gegen eine Anzeige zu entscheiden. Dadurch bleiben sie aber häufig medizinisch unversorgt, weil sie befürchten, dass über ihren Kopf hinweg Anzeige erstattet wird. An diese Betroffenen richtet sich die Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung. Denn an den Modellstandorten behandeln die Kliniken die betroffenen Frauen und ihre Verletzungsfolgen unabhängig davon, ob sie sofort eine Anzeige erstatten wollen oder nicht. Dabei können auf Wunsch auch Spuren gesichert werden, um Beweise für ein mögliches späteres Gerichtsverfahren aufzubewahren. Aber die zentralen Ziele sind die medizinische Akutversorgung und die psychosoziale Versorgung sowie den Frauen den Weg in das unterstützende Hilfesystem zu erleichtern. Und es gilt natürlich die ärztliche Schweigepflicht.

Dieses Modellprojekt schließt so eine eindeutige Lücke in der Versorgung von Frauen und Mädchen, die Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind. Wir können damit Frauen in Krisensituationen deutlich besser unterstützen als bisher und mit einer umfassenden Versorgung und Beweissicherung langfristige Folgen reduzieren.

Wenn Sie jemanden kennen, der Hilfe benötigt, machen Sie diejenige bitte auf dieses neue Angebot aufmerksam. Jede Vergewaltigung ist nicht nur ein schreckliches, traumatisierendes Gewaltverbrechen sondern auch ein medizinischer Notfall.

Weitere Informationen zu dem Projekt bietet die Homepage: www.soforthilfe-nach-vergewaltigung.de

Rheinland-pfälzische Notrufnummern und Hilfeangebote bei sexueller Gewalt finden Sie zudem auf: www.rigg.rlp.de