Zuletzt stand das Thema „Integration“ mit dem Vorfall von Mesut Özil und Ilkay Gündogan wieder im Fokus der öffentlichen Diskurse. Die zwei türkischstämmigen Fußballspieler haben durch das Treffen mit dem türkischen Staatspräsidenten R.T. Erdogan eine Diskussion über die Loyalität und Zugehörigkeit der Zugewanderten zur deutschen Gesellschaft ausgelöst.

Ende Juli 2018 stellte das Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung (ZfTI) einen Bericht zu einer bundesweiten Umfrage türkischstämmiger Zuwanderer (2017) vor. Dabei fokussierte sich die Befragung auf die Identifikation und politische Partizipation der Deutschtürken. Als Schlussfolgerung der Umfrage betont das ZfTI, dass heimatliche Verwurzelung und Interesse an den Geschehnissen im Herkunftsland nicht als Integrationsverweigerung abgestempelt oder als Merkmal fehlender Loyalität zu Deutschland bewertet, sondern als Ergänzung zur durchaus ausgeprägten Zugehörigkeit zu Deutschland anerkannt werden sollten. Bei dem Umgang mit dieser Loyalitätsfrage ist weder die Infragestellung der bikulturellen Orientierung noch der gesellschaftliche Zwang zur kulturellen Eindeutigkeit konstruktiv. Zudem trägt auch die Betonung und Verhinderung der Andersartigkeit der Zugewanderten nicht zur Verbesserung der Akkulturation bei. Vielmehr sollte man für einen besseren kulturellen Anpassungsprozess die Bikulturalität als „selbstverständlicher Bestandteil der deutschen Gesellschaft“ ansehen und durch die politische Bildung sowie die Akzeptanzvermittlung des Aufnahmelandes die Interessenvertretungsfunktion der Zugewanderten bestärken. Hierbei ist die Absicht solcher Akzeptanz „die Anfälligkeit gegenüber [populistischen und nationalistischen] Angeboten von außen zu reduzieren“.

Ebenso ist das Herumreiten auf den Vorfall von Özil und Gündogan als Zeichen von Illoyalität und gescheiterter Integration wenig hilfreich, um die soziale Identität und kulturelle Zugehörigkeit der Zugewanderten in Deutschland konstruktiv und fördernd zu diskutieren. Die deutsche Integrationspolitik anhand des Beispiels der türkischen Zugewanderten zeigt uns eigentlich, dass Deutschland ihre Migrations- und Integrationspolitik revidieren muss. Vor allem als ein beliebtes europäisches Zuwanderungsland für Flüchtlinge sollte Deutschland diese Herausforderung unberührt von Populismus und Nationalismus überwinden, wobei das sich in letzter Zeit weithin als unmöglich erwies bzw. erweist.